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Dienstag, 24. Januar 2012

Sind wir eigentlich wahnsinnig?

Harald Lesch versucht zu ergründen, welche Konsequenzen es hat, wenn der Austausch von Informationen, die Ausführung von Entscheidungen schneller möglich ist, als wir mit unseren Sinnen folgen können.

Das hört sich harmlos an - doch wer sich das nachfolgende Video ansieht wird sich wundern: So wird ein Transatlantikkabel zwischen London und New York für 300 Millionen Euro verlegt. Man spart dadurch 6 ms. Also eine sechstausendstel Sekunde! Spötter könnten einwerfen, dass nun "Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar" eben noch schneller angezeigt werden kann - aber Pustekuchen! Die Datenverbindung ist nur für den Geldtransfer zwischen den beiden Börsenplätzen gelegt worden. Was steckt dahinter?

HFT heißt das Zauberwort (High Frequency Trading) und zeigt wieder einmal die grenzenlose Verrücktheit der Finanzwelt auf. Hier sind Hochleistungsrechner der Hedgefonds am Werk, die zeitliche Differenzen der Märkte im Millisekundenbereich ausnutzen. Die ultraschnellen Computer haben in den vergangenen Jahren die Macht an den Börsen übernommen, vor allem in den USA. Dort gehen mittlerweile mehr als 60 Prozent der Aktiengeschäfte auf den Hochfrequenzhandel zurück - in Deutschland sind es Schätzungen zufolge rund 40 Prozent. (Quelle: Spiegel).

Lesch wäre nicht Lesch, wenn er nicht Parallelen zur wissenschaftlichen Welt aufzeigen würde. Sein anschaulicher Vergleich sagt deutlich, dass die Steigerung der Informationsgeschwindigkeit (und die Gier nach schnellem virtuellen Geld) Dimensionen erreicht hat, die bald schon physikalische Grenzen erreichen wird. Das Plancksche Wirkungsquantum als einer der elementaren Größen der Physik wird schon zur virtuellen Einheit der Finanzmärkte. Damit kann man die Frage Sind wir eigentlich wahnsinnig? bereits beantworten: Wir sind es bereits.


Mittwoch, 21. Dezember 2011

Wacht Auf! Wenn nicht jetzt wann dann?


Bewegende Gedenkfeier für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt

Dem Aufruf des Mönchengladbacher Bündnisses „Aufstehen! Für Menschenrecht – Gegen Rechtsextremismus“ folgend fanden sich in der Citykirche etwa 150 Menschen am Dienstagabend zu einer bewegenden Gedenkfeier für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland ein.

Rechtsradikale Denkmuster, Alltagsrassismus und Chauvinismus fressen sich vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft hinein und bieten von dort dem braunen Terror Nahrung. Gegen diese verhängnisvolle Entwicklung und gegen alle Versuche der Verharmlosung rechtsextremistischer Gewalt haben die Besucher der Gedenkstunde auch in unserer Stadt ein deutliches Zeichen gesetzt.

Ferdinand Hoeren, Sprecher des Bündnisses und Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung, brachte seine Bestürzung darüber zu Ausdruck, dass seit 1990 in unserem Land 157 Menschen dem rechten Terror zum Opfer fielen und rief die Anwesenden zu einer Schweigeminute auf.

Foto: Andreas Jütten

Reinhold Schiffers, Bezirksvorsteher des Stadtbezirks Nord, betonte, dass die rechte Gewalt nicht eine Frage von wenigen Tätern sei, sondern dass wir alle uns nicht mit gesellschaftlichen Bedingungen wie etwa der hohen Jugendarbeitslosigkeit abfinden dürften, die den Nährboden für braunes Gedankengut bilden.

Besonders eindringlich waren die Worte von Propst Dr. Albert Damblon, der in Anlehnung an das bekannte Adventslied ausrief: „Wachet auf! Steht auf für die Menschenwürde aller! Wenn nicht jetzt wann dann? Und wenn nicht wir, wer dann?“

Denn, so zitierte Frau Petra Lambrich, Vertreterin der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Hanns Dieter Hüsch: „Nur wenn wir eins sind überall / dann gibt es keinen neuen Fall / von Auschwitz bis nach Buchenwald / und wer's nicht spürt, der merkt es bald. / Nur wenn wir in uns alle sehn, / besiegen wir das Phänomen. / Nur wenn wir alle in uns sind, fliegt keine Asche mehr im Wind.“

Auch Adnan Özden, Vorbeter der der Moschee Neusser Strasse, wünschte sich ein friedvolles und vor allem angstfreies Miteinander der Menschen in Deutschland. Pfarrer Dietrich Denker würdigte das Engagement des Bündnisses und warnte davor, die rechtsextreme Gewalt zu verharmlosen.

Willi Hütz begleitete diese Veranstaltung durch eindrucksvolle musikalische Beiträge.



Sonntag, 4. Dezember 2011

990066 und ein gefallener Würfel

Insider werden ahnen, was mit diesem kryptischen Titel gemeint ist: Heute hat der SPD-Bundesparteitag in Berlin begonnen und es wurde gleichzeitig das Corporate Design geändert.

"Alea iacta est": Als Erstes ist der 2009 eingeführte Würfel gefallen und wird nun wieder durch das alte Logo ersetzt. "Das Quadrat ist das eingeführte und gelernte Markenzeichen. Es steht für die traditionsbewusste SPD.",  so Karsten Göbel, Geschäftsführer der Agentur „SuperJ+K“, die das neue Design verbrochen entwickelt haben.

Als neue Akzentfarbe ist Purpur gewählt (!) worden. "Neben unserem Rot, das auch im Vordergrund bleibt, brauchen wir nun eine zweite Farbe, die zischt (lacht). Das steht auch für unser Selbstbewusstsein.", erklärt dazu Andrea Nahles im Interview.

Viel zischendes Rot im Vordergrund sieht man aber auf der neuen SPD-Seite nicht. Eher dominiert die Farbe 990066 - vulgo Purpur oder Violett - auf den Seiten. Ich assoziiere damit eher eine bekannte Schokoladenmarke (die mit der Kuh). Ob das Grün als Komplementärfarbe dabei eine Rolle spielte?

Kollege WebNobbi  kommentiert das Ganze sehr schroff:
Nachdem alle Baukästen der realen Vergangenheit seitens und mitsamt der Neuen Heimat abgewickelt wurden, ging die SPD zunächst auch in der virtuellen Gegenwart den bewährten Weg und setze auf Baukästen mit einem ebenso sicheren Haltbarkeitsdatum wie bei COOP und diversen Landesbanken. Mit immer neuen Layouts und zuletzt der Schlachtung des “heiligen Viehs” SPD-Quadrat, welches einem Würfel weichen musste, setzte die SPD Maßstäbe wenn es darum ging, jungen, aufstrebenden, erfolg- und ideenlosen Agenturen abgebrochener Volksschulabsolventen zu einem ausreichenden Einkommen zu verhelfen.
Zugegeben: Ich habe mich damals schwer getan, als der Würfel erschien; habe diesen aber jetzt als ein gutes Logo akzeptiert. Kein Wunder also, dass auch andere (Facebook) das ähnlich sehen:
Wir fordern den Erhalt des SPD-Würfels. Er wurde uns bei der Einführung als "passendes Logo für ein Partei mit Ecken und Kanten" verkauft. Was seinerzeit sicherlich auch für Erstaunen und Verärgerung sorgte, hat sich letztendlich etabliert und bewährt. Der Würfel ist ein Erkennungsmerkmal, dass sich gerade durch die ihm innewohnende Körperlichkeit als Hingucker und praktisches Werbemittel erwiesen hat.
Eine erneute Umstellung sorgt nicht nur für ernorme Kosten bei den Gliederungen, sondern für eine erneute Irritation bei Genossen und Wählern.
Über die Farben kann man und soll man streiten. Doch die laufenden "verordneten" Änderungen führen zu einem Schluß, wie es das designtagebuch formuliert:

Unternehmen die in so kurzer Zeit so nachhaltig ihr Corporate Design verändern, wirken orientierungslos. Ein Markenprodukt, dessen Verpackung im Jahresrhythmus wechselt, erzeugt Verunsicherung auf Kundenseite. Das SPD-Design flattert wie ein Fähnchen im Wind. Es strahlt das Gegenteil von Verlässlichkeit aus. Typofans werden relativieren, dass  die „TheSans“ weiterhin als Hausschrift Verwendung findet. Nun denn, ein Minimum an Konstanz.
Und so werden im Netz die diversen Seiten der Landesverbände, Unterbezirke und Ortsvereine ihr eigenes Süppchen kochen und spätestens dann im neuen LayOut angekommen sein, wenn im nächsten Wahlkampf eine neue noch "bessere" Farbe gefunden worden ist.

Samstag, 3. Dezember 2011

Gedenkstunde für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt

Das Mönchengladbach Bündnis: „Aufstehen!
– Für Menschenwürde
– Gegen Rechtsextremismus“

ruft alle Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an einer
Gedenkstunde für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt
auf:

Montag, 19. Dezember 2011, um 18.00 Uhr,

in der City-Kirche, Alter Markt, Mönchengladbach



Als im Juli diesen Jahres ein rechtsextremer Gewalttäter in Norwegen ein Massaker angerichtet hatte, da empfanden wir nicht nur Mittrauer mit den 77 Mordopfern sondern tiefen Respekt vor der beeindruckenden Art und Weise, wie die Norweger auf die nationale Tragödie reagierten: Keine Äußerungen von Hass, gegenseitigen Schuldzuweisungen und gesellschaftlichem Unfrieden, dafür echtes Mitgefühl mit den Opfern, das Zusammenstehen der Einheimischen und zugewanderten Bevölkerung und entschiedenes Eintreten für die gemeinsamen Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und friedlichem Zusammenleben.

Was wir in diesen Tagen in Deutschland erleben, ist von dieser Bürgergesinnung ein gut Stück entfernt. Zwar hat der Deutsche Bundestag am 22. November 2011 über alle Parteigrenzen hinweg ein eindrucksvolles Zeichen gegen den Rechtsextremismus gesetzt. Sein Präsident Norbert Lammert, gab im Namen aller Abgeordneten der „Beschämung“ Ausdruck, „dass die Sicherheitsbehörden der Länder wie des Bundes die über die Jahre hinweg geplanten und ausgeführten Verbrechen weder rechtzeitig aufdecken noch verhindern konnten“, und entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen der Mordopfer in aller Form dafür, dass sie selbst vorschnellen Verdächtigungen ausgesetzt wurden.
Aber so lange solche hoffnungsvollen Zeichen der Solidarität mit den vom Naziterror betroffenen Menschen nicht auch vom Bewusstsein einer breiten Bevölkerungsmehrheit getragen sind, laufen sie Gefahr in bloßer Deklamation zu verharren. Da helfen auch „Entschädigungszahlungen“ allein für die Folgen rechter Gewalt nicht weiter.

Als zu Beginn der 90 Jahre die Hatz auf Ausländer zunahm und neben den Häusern ausländischer Mitbürger auch wieder Synagogen brannten, regte sich in unserem Land das, was man den „Aufstand der Anständigen“ nannte. Da formierten sich überall in Deutschland Lichterketten und spontane Protestaktionen, die den rechten Verbrechen die Stirn boten. Das war auch die Zeit, als sich Mönchengladbacher Bürger und zivilgesellschaftliche Gruppen zum „Mönchengladbacher Bündnis: „Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ zusammenschlossen. Angesicht der braunen Terrorszene, die sich seit der gleichen Zeit im Untergrund zusammenbraute, die deutschen Sicherheitsorgane narrte und über zwei Jahrzehnten hinweg eine erschreckende Blutspur mit bisher bekannten rund 150 Toten quer durch unser Land zogen, scheint es uns an der Zeit, an die gemeinsam Erklärung der Bündnismitglieder vom Oktober 2000 zu erinnern. Dort heiße unter anderem:
„Wir sprechen alle Menschen guten Willens an, mit uns aufzustehen, um ein demokratisches Bewusstsein vom Miteinander zu schaffen. (…) die Täter müssen durch soziale Nachteile erfahren, dass Gewaltanwendung, und Extremismus keinen Platz in unsere Gesellschaft haben. Alle Menschen sind aufgerufen, sich für soziale Gerechtigkeit in allen Generationen sowie für die Achtung der Menschenrechte aller einzusetzen.“
Der „Aufstand der Anständigen“ darf nicht zum „Anstand der Zuständigen“ (Franz Walter Steinmeier) zusammenschrumpfen.
An uns, den Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, liegt es zu verhindern, dass sich rechtsradikale Denkmuster, Alltagsrassismus und Chauvinismus vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft hineinfressen und von dort dem braunen Terror Nahrung bieten. Gegen diese verhängnisvolle Entwicklung und gegen alle Versuche der Verharmlosung rechtsextremistischer Gewalt wollen wir auch in unserer Stadt ein deutliches Zeichen setzen und in einer Gedenkstunde am Montag, 19.11.2011, um 18.00 Uhr in der City-Kirche am Alten Markt unserer Trauer über die Opfer des menschenverachtenden Naziterrors Ausdruck geben.
Unseren ausländischen Mitbürginnen und Mitbürger aber rufen wir zu: Reiht Euch ein in die gemeinsame „Lichterkette“! Auf Euch kommt es an, ob weiterhin Toleranz Mitmenschlichkeit und gesellschaftlicher Friede oder Ausgrenzung und Hass das Zusammenleben in unserem Land und unserer Stadt bestimmen.

Der Aufruf kann hier auch als PDF angezeigt werden.

Samstag, 28. Mai 2011

Das Internet ist voll

Da hatte ich die letzten Wochen ein schlechtes Gewissen, da die Blogeinträge fehlten. Doch nun habe ich die beste Entschuldigung: Das Internet war leider voll. Kein Platz mehr. Auch Google konnte nicht helfen.

Erfahren habe ich dies durch Caro Korneli (Extra3), die bei der CDU-Medianight Kulturstaatsminister Bernd Neumann dazu befragte.



Spreeblick meinte passend dazu:
Es wäre so lustig. Wenn es nicht so furchtbar wäre.
Und die letzte Seite im Internet habe ich bereits gesichtet. Vielleicht bis später, wenn Google neue Festplatten gekauft hat ...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Kapitalverbrechen

Harald Lesch hatte ich hier schon einmal vorgestellt: "Aus dem Leben eines Elektrons". Dass der Moderator der ZDF-Sendung Abenteuer Forschung auch ganz andere Töne anschlagen kann, zeigt dieses Video. "Ich halte Teile der internationalen Finanzwirtschaft für ein Verbrechen".

Sonntag, 15. August 2010

Netzneutralität

Der Begriff Netzneutralität hat derzeit in der Diskussion eine hohen Stellenwert und hat sogar den Mainstream erreicht. Und so wurde ich auch schon häufiger gefragt, was das nun eigentlich sei und was man davon zu halten habe.

Grundsätzlich sagt die Netzneutralität, dass alle Daten im Internet - unabhängig von ihrer Quelle oder ihrem Inhalt - gleichberechtigt übertragen werden. Niemand wird bevorzugt. Alle sind gleich.

Leider wird es eng auf der Datenautobahn.Videos wie Youtube, Streamings,Telefonie und andere datenlastige und zeitkritische Dienste überlasten zeitweise diese Autobahn, so dass jetzt Kommunikationsunternehmen darüber nachdenken, dass bestimmte Daten eine Erlaubnis zum Überholen bekommen; also bevorzugt behandelt werden dürfen.

Was beim ersten Hinsehen plausibel erscheint, birgt jedoch Gefahren in sich: Denn nur wer es sich leisten kann, wird dann bevorzugt behandelt. Die Idee des Internets eines freien Datenaustausches bleibt buchstäblich auf der Strecke. Die Initiative Pro Netzneutralität spricht sogar davon, dass
ein freies Internet ohne staatliche oder wirtschaftliche Eingriffe ... Garant für freien Meinungsaustausch weltweit und damit die direkte Ableitung des Rechts auf Meinungsfreiheit (ist). Netzneutralität ist elementar für unsere Demokratie.
Weitere Infos und die Möglichkeit der Unterstützung findet man ebenfalls auf den der Seiten der Initiative.

Zwar unterstützt auch die Politik diese Haltung, hält es aber nicht für notwendig, diese Positionen auch gesetzlich zu begleiten. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags schreibt dazu:
Trotz Anerkennung der großen Bedeutung der Netzneutralität für die Meinungs- und Informationsfreiheit und die Weiterentwicklung des Internets halten wirtschaftspolitische Experten eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität auf dem deutschen und europäischen Markt nicht für erforderlich. Sie gehen davon aus, dass der Wettbewerb unter den Netzbetreibern für eine Aufrechterhaltung des offenen Internets sorgen werde.
Ich halte diese Position nicht für richtig, denn das Märchen "der Markt wird es richten" hat schon oft genug bewiesen, dass der Markt kein Interesse an den genannten Werten hat, sondern schlicht und einfach nur verdienen will. Eine gesetzliche Verankerung hat in diesem Fall nichts mit Überregulierung zu tun, sondern würde "nur" für klare Verhältnisse im Bereich der Informations- und Meinungsfreiheit sorgen. Übrigens könnte man mit den gleichen Argumenten jede gesetzliche Vorschrift beispielsweise im Arbeits- und Verbraucherschutz ablehnen.
Schließlich dürfte sogar eine Priorisierung des Datenverkehrs zu einem Bumerang werden. "In den Kindertagen von Google etwa war Altavista die führende Suchmaschine. Hätte sich Altavista damals ein Vorfahrtsrecht im Internet erkauft, wäre Google wohl nie konkurrenzfähig geworden, trotz besserer Suchmethode", erklärt Simon Schlauri, der über Netzneutralität habilitiert hat. Innovationen hätten keine Chance im vielbeschworenen Wettbewerb.

Einen Ausweg aus der Sackgasse kann nur sein, die vielzitierte "Datenautobahnen" auszubauen. Jörg Schieb beschreibt die Lösung kurz und knapp: Wir brauchen keine VIP-Lounge für Daten, keine gebührenpflichtige Überholspur für Deluxe-Daten. Wir brauchen gut funktionierende Datennetze. Die Kosten dafür müssen auf alle umgelegt werden.

Montag, 15. Februar 2010

Klagewahn!?

Gibt es im Augenblick in den Medien eine Kampagne, Hartz IV-Empfänger nur noch als Sozialschmarotzer zu bezeichnen? Man gewinnt langsam den Eindruck, dass Westerwelles Leistungsträger zum Angriff auf Solidarprinzipien unserer Gesellschaft blasen. So lese ich in der Zeitschrift Cicero - Magazin für politische Kultur [sic] - den Artikel Der Hartz IV-Klagewahn von Thore Barfuss.

Seine Aussagen sind für die genannte Situation typisch: "Hier greift ein Phänomen um sich, das der Unterschicht eine weitere Einnahmequelle eröffnet: Die Hartz-IV-Klage. Wie lange aber ist der deutsche Steuerzahler noch bereit, sich auf seine eigenen Kosten verklagen zu lassen". Wieviel Zynismus steckt schon in diesem Teasertext! "Unterschicht" und "Hartz-IV-Empfänger" sind identisch; mit der zusätzlichen "Einnahmequelle" zeigt sich der Schmarotzer schon gierig und faul. Dass der Anlass für diese Klagen meistens falsche Bescheide sind, fällt unterm Tisch. Außerdem ist auch der Hartz-IV-Empfänger Steuerzahler und dieser wird normalerweise auch nicht verklagt, sondern die Arbeitsagenturen.

Barfuss fragt weiter: "Wie ist es um die Moral jener Hartz-IV-Empfänger bestellt, die lieber den eigenen Geldgeber verklagen, als ihre Energie für die Jobsuche zu verwenden?" Und: "Deutschland macht es den Klägern viel zu einfach. Aus der notwendigen Möglichkeit auch ohne eigenes Kapital zu klagen, um unrechtmäßige Entscheidungen aufzuheben, ist eine weitere Möglichkeit geworden, mehr Geld (und sei es noch so wenig) vom Staat abzugreifen. Es wird zugelassen, dass Nicht-Steuerzahler die Steuerzahler auf deren Kosten verklagen, um am Ende mehr Geld von ihnen zu bekommen."

Möglicherweise sind dem Autor die genannten zwei- oder dreistelligen Summen, um die es geht zu poppelig. Er möge mal versuchen, seine hier dargestellte Arroganz bei den augenblicklichen Regelsätzen der "Prozesshansels" durchzuhalten. Schließlich sollte er mal über den Begriff des "Rechtsstaates" nachdenken und vielleicht kommt er dann zum dem Ergebnis, dass Rechtsstaatlichkeit kein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre aus einer Kosten-Nutzen-Analyse ist.

Aber nur vielleicht.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Sozialistische Züge

"Die Hartz-IV-Diskussion trägt sozialistische Züge.", so titelt heute die Welt in dem Gastkommentar von Guido Westerwelle. Was ist daran sozialistisch? Dass das Bundesverfassungsgericht dem Staat auferlegt dafür zu sorgen, dass seine Bürger ein menschenwürdiges Leben führen können?

Westwelle stößt wieder in das gleiche Horn:
Was sagt eigentlich die Kellnerin mit zwei Kindern zu Forderungen, jetzt rasch mehr für Hartz IV auszugeben? Wer kellnert, verheiratet ist und zwei Kinder hat, bekommt im Schnitt 109 Euro weniger im Monat, als wenn er oder sie Hartz IV bezöge. Diese Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken besorgt mich zutiefst. Die Missachtung der Mitte hat System, und sie ist brandgefährlich. Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.
Abgesehen davon, dass selbst nach oben korrigierte Regelsätze keinen Wohlstand garantieren können, wird hier wieder auf die Schwächsten der Gesellschaft herumgetrampelt. Warum wird der Mindestlohn nicht erwähnt? Auch sozialistisches Teufelswerk? Wäre es nicht auch dem Leistungsgedanken entsprechend, der genannten Kellnerin einen Mindestlohn zu zahlen? Dadurch könnten die Lohnabstände gewahrt bleiben.

Zu empfehlen kann man den Artikel Hartz IV und der hausgemachte Niedriglohnsektor in der heutigen Telepolis-Ausgabe. Jens Berger schreibt hier u.a.:
Um das notwendige Lohnabstandsgebot zu verwirklichen und gleichzeitig die Transferleistungen auf einem Niveau zu belassen, das eine gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe ermöglicht, müssten demnach die Löhne im unteren Einkommensbereich deutlich über dem Transferleistungsniveau liegen. Der derzeit gültige Hartz-IV-Regelleistungssatz entspricht bei einem Einpersonenhaushalt einem virtuellen Stundenlohn von 4,60 Euro. Bei einer Familie mit einem Kind, in der nur ein Elternteil arbeitet, läge der virtuelle Stundenlohn bei rund 6,00 Euro. Einen Mindestlohn zu definieren, der um X Prozent über Hartz IV liegt, ist also nicht möglich, da Hartz-IV-Leistungen immer von der Größe des Haushalts abhängen und es auf dem Arbeitsmarkt nicht möglich ist, den Vater einer dreiköpfigen Familie wesentlich besser zu entlohnen als einen Alleinstehenden. Der Staat kann hier lediglich beim Kindergeld und beim Ehegattensplitting – das in diesem Einkommensbereich jedoch kaum eine Rolle spielt – ein wenig steuernd eingreifen.
Westerwelle spricht vage von einem Kern der geistig-politischen Wende, die er anstrebt und droht "jetzt könne es erst recht keine Entlastung der Bürger mehr geben, das Geld brauche man für höhere Hartz-IV-Sätze". Ist das die Mitte der Gesellschaft, die nun zur Treibjagd auf die "Sozialschmarotzer" bläst?

Montag, 21. Dezember 2009

Nazis auf dem Mond

Am Ende des zweiten Weltkriegs sind die Nazis zu einem geheimen Stützpunkt auf dem Mond geflüchtet und kehren jetzt zurück, um die Erde zu erobern.


Wer jetzt meint, dass ich endgültig den Verstand verloren habe und zu den Verschwörungstheoretikern übergetreten bin, der irrt. Das ist der Plot zu der Science Fiction-Komödie Iron Sky, die leider noch in Arbeit ist. Originalton: „Ein kleinerr Schrritt fürr den Menschen, aberr ein grrosser Schrritt fürr das Vaterrland!“



Eine gute Kritik findet man bei Telepolis.

Anscheinend war die intellektuelle Entnazifizierung noch nicht ganz vollzogen: Aus der gruseligen SS-Esoterik um die "Schwarze Sonne" und deren techno-mystischer Ausführung in Form der "Reichsflugscheibe" wurde bislang noch keine Comedy-Verfilmung. Diese heldenhafte Aufgabe haben sich die finnischen Filmer von Energia Productions auf die Fahnen geschrieben (..um mal im Sujet zu bleiben). Kann sowas gutgehen? Betritt man da nicht ein ideologisches Minenfeld? Ja (jeweils), wenn Mel Brooks mit launigem Singsang a la "Don't be stupid, be a smarty, come and join the Nazi party!" seine ideologisch eher retentiven Zeitgenossen ärgern und den Rest der Welt glänzend amüsieren konnte, sollte das engagierten finnischen Jungfilmern ebenfalls gelingen können. Und was bisher davon zu sehen war, deutet einen echten cineastischen Volltreffer an; wobei "cineastisch" hier bitte ganz im Sinn der reichhaltigen Trash-, B-Movie-, Zombie- und Cheap-Thrill-Kultur zu verstehen ist.

Dienstag, 17. November 2009

Verschwörungstheorien boomen

Braune Verschwörungstheoretiker lügen sich die Welt zurecht. Panorama beschäftigte sich vor fünf Jahren anlässlich des Tsunamis mit diesen Menschen, die jedes Argument gegen ihre Theorie als einen Beweis für ihr Hirngespinst deuten. Ein Einblick in die wahnhafte Erlebniswelt von Nazis, Antisemiten und Revisionisten.




via NPD-BLOG.info

Donnerstag, 5. November 2009

Klagemauer

Hier eine Video-Dokumentation des Projektes Klagemauer. Hartmut Wellssow hat dieses Video für das Bündnis für Menschenwürde und Arbeit gemacht.

Montag, 26. Oktober 2009

WACHSTUM. BILDUNG. ZUSAMMENHALT.

Ich mache hier keine Werbung für den Koalitionvertrag zwischen CDU, CSU und FDP. Eher dafür, dass man auch die Fakten kennt, bevor man anfängt zu stänkern.

Deswegen hier der Link dazu - sehr gut aufbereitet. Interessant hier die Aussage zur Vorratsdatenspeicherung:

Wir werden den Zugriff der Bundesbehörden auf die gespeicherten Vorratsdaten der Telekommunikationsunternehmen bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungmäßigkeit der Vorratsdatenspeicherung aussetzen und bis dahin auf Zugriffe zur Abwehr einer konkreten Gefahr für Leib, Leben und Freiheit beschränken.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Internetzensur: Ein Zukunftsszenario

Hier ein Video, das ein erschreckendes Szenario kommender Sperren und Zensurmaßnahmen aufzeigt.



Hier dazu eine Empfehlung zu Iljia Trojanow und Juli Zeh, die ein Buch über staatliche Überwachung geschrieben haben.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Aktionswoche zum bedingungslosen Grundeinkommen

Über Twitter kommt soeben der Hinweis, dass Attac Medien im Rahmen der Aktionswoche zum bedingungslosen Grundeinkommen in Mönchengladbach unterwegs war und ein entsprechendes Video ins Netz gestellt hat. Man kann über diese Forderung sicherlich geteilter Meinung sein - die Statements der befragten Parteien sind ohne Polemik und gehen sehr offen auf die Fragestellungen ein. Interessant ist der Kommentar des Moderators zum Schluss des Videos, der darauf hinweist, dass die FDP nicht zu einem Gespräch bereit war. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen!

Mittwoch, 30. September 2009

"Es ist Deutschland hier!"

Der Titel ist geklaut. Telepolis brachte heute einen lesenswerten Artikel mit dieser Überschrift über unseren kommenden Außenminister Guido Westerwelle und zeigte hier vor allem seine Kenntnisse der englischen Sprache auf. Natürlich ist es nicht anständig auf die Schwächen Anderer zu verweisen - doch mit einer gewissen Berechtigung darf man doch auf gewisse Mängel bei Spitzenpolitikern hinweisen. Wird nun die deutsche Außenpolitik komplett übersetzt oder müssen künftig die Amtskollegen Deutsch sprechen? Hoffen wir nicht, dass Westerwelle in den nächsten Jahren der Heinrich Lübke des 21. Jahrhunderts wird.

Samstag, 26. September 2009

Wahlkampf

Rechtzeitig vor der Bundestagswahl starte ich heute meine Kampagne und präsentiere hier das erste (und letzte) Video zum Wahlkampf:



Bezüglich des hier erwähnten roten Steinfrosches kann man anderer Meinung sein. Ich persönlich favorisiere hier mehr die gemeine Steinlaus!

Hauptsache ist: Morgen wählen gehen! Und bitte nicht Gelb oder Braun!

Montag, 21. September 2009

Überhangmandate und andere Wissenslücken

Seien Sie ehrlich! Können Sie auf Anhieb den Begriff der Überhangmandate erklären? Momentan sind diese wieder im Gespräch- es wird bereits gefeilscht und geschoben, so dass man sich fragt, ob die Bundestagswahl möglicherweise schon still stattgefunden hat und niemand hat es gemerkt.

Also hier die Erklärung zu den Überhangmandaten:

Und hier geht es zur Bundeszentrale für politische Bildung, die weitere Begriffe rund um die Wahl unter dem Titel Wie funktioniert die Bundestagswahl? erklärt. Man kann ja heimlich nachgucken ...

Freitag, 18. September 2009

Internetsperren

Heute "nur" ein kleiner Hinweis auf ein sehenswertes Video zur leidigen Diskussion um die leidigen Internetsperren.



Weitere Informationen auf der Seite rettedeinefreiheit.de

Donnerstag, 10. September 2009

Wahl-O-Mat

Zu jeder Wahl - seit der Bundestagswahl 2002 - gibt es von der Bundeszentrale für politische Bildung den Wahl-O-Mat. Zu 38 Thesen kann man seine Zustimmung, Ablehnung oder ein Unentschieden abgeben und erhält dann eine Übersicht mit den Übereinstimmungen der jeweiligen Parteien.

Natürlich kann man das kritisieren. Mit 38 Thesen ist kein Wahlprogramm vollständig abgebildet und was man von Wahlversprechen halten soll, ist ja bekannt.

Auf jeden Fall ist dieses Tool ein empfehlenswerter Ratgeber - gerade für Jung- bzw. Erstwähler. Besser als die unerträglichen Wahlplakate und Werbesendungen allemal!

Ach ja: Man muss nicht das wählen, was als Ergebnis herauskommt. Ich habe Die Linke als Empfehlung erhalten.