Das Mönchengladbach Bündnis: „Aufstehen!
– Für Menschenwürde
– Gegen Rechtsextremismus“
ruft alle Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an einer
Gedenkstunde für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt
auf:
Montag, 19. Dezember 2011, um 18.00 Uhr,
in der City-Kirche, Alter Markt, Mönchengladbach
Als im Juli diesen Jahres ein rechtsextremer Gewalttäter in Norwegen ein Massaker angerichtet
hatte, da empfanden wir nicht nur Mittrauer mit den 77 Mordopfern
sondern tiefen Respekt vor der beeindruckenden Art und Weise, wie die
Norweger auf die nationale Tragödie reagierten: Keine Äußerungen von Hass, gegenseitigen Schuldzuweisungen und gesellschaftlichem Unfrieden, dafür echtes Mitgefühl mit den Opfern, das Zusammenstehen der Einheimischen und zugewanderten Bevölkerung und entschiedenes Eintreten für die gemeinsamen Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und friedlichem Zusammenleben.
Was wir in diesen Tagen in Deutschland erleben, ist von dieser Bürgergesinnung ein gut Stück entfernt. Zwar hat der Deutsche Bundestag am 22. November 2011 über alle Parteigrenzen hinweg ein eindrucksvolles Zeichen gegen den Rechtsextremismus gesetzt. Sein Präsident Norbert Lammert, gab im Namen aller Abgeordneten der „Beschämung“ Ausdruck,
„dass
die Sicherheitsbehörden der Länder wie des Bundes die über die Jahre
hinweg geplanten und ausgeführten Verbrechen weder rechtzeitig aufdecken
noch verhindern konnten“, und entschuldigte sich bei den
Hinterbliebenen der Mordopfer in aller Form dafür, dass sie selbst
vorschnellen Verdächtigungen ausgesetzt wurden.
Aber so lange solche hoffnungsvollen Zeichen der Solidarität mit den vom Naziterror betroffenen Menschen nicht auch vom Bewusstsein einer breiten Bevölkerungsmehrheit getragen sind, laufen sie Gefahr in bloßer Deklamation zu verharren. Da helfen auch „Entschädigungszahlungen“ allein für die Folgen rechter Gewalt nicht weiter.
Als zu Beginn der 90 Jahre die Hatz auf Ausländer zunahm und neben den Häusern ausländischer Mitbürger auch wieder Synagogen brannten, regte sich in unserem Land das, was man den „Aufstand der Anständigen“ nannte. Da formierten sich überall in Deutschland Lichterketten
und spontane Protestaktionen, die den rechten Verbrechen die Stirn
boten. Das war auch die Zeit, als sich Mönchengladbacher Bürger und
zivilgesellschaftliche Gruppen zum „
Mönchengladbacher Bündnis: „Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ zusammenschlossen. Angesicht der braunen Terrorszene, die sich seit der
gleichen Zeit im Untergrund zusammenbraute, die deutschen
Sicherheitsorgane narrte und über zwei Jahrzehnten hinweg eine
erschreckende Blutspur mit bisher bekannten rund 150 Toten quer durch
unser Land zogen, scheint es uns an der Zeit, an die gemeinsam Erklärung
der Bündnismitglieder vom Oktober 2000 zu erinnern. Dort heiße unter
anderem:
„Wir sprechen alle Menschen guten Willens an, mit uns
aufzustehen, um ein demokratisches Bewusstsein vom Miteinander zu
schaffen. (…) die Täter müssen durch soziale Nachteile erfahren, dass
Gewaltanwendung, und Extremismus keinen Platz in unsere Gesellschaft
haben. Alle Menschen sind aufgerufen, sich für soziale Gerechtigkeit in
allen Generationen sowie für die Achtung der Menschenrechte aller
einzusetzen.“
Der „
Aufstand der Anständigen“ darf nicht zum „
Anstand der Zuständigen“ (Franz Walter Steinmeier) zusammenschrumpfen.
An uns, den Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, liegt es zu verhindern, dass sich rechtsradikale Denkmuster, Alltagsrassismus und Chauvinismus vom rechten Rand in die Mitte
der Gesellschaft hineinfressen und von dort dem braunen Terror Nahrung
bieten. Gegen diese verhängnisvolle Entwicklung und gegen alle Versuche
der Verharmlosung rechtsextremistischer Gewalt wollen wir auch in unserer Stadt ein deutliches Zeichen setzen und in einer Gedenkstunde am Montag, 19.11.2011, um 18.00 Uhr in der City-Kirche am Alten Markt unserer Trauer über die Opfer des menschenverachtenden Naziterrors Ausdruck geben.
Unseren ausländischen Mitbürginnen und Mitbürger aber rufen wir zu: Reiht Euch ein in die gemeinsame „Lichterkette“! Auf Euch kommt es an, ob weiterhin Toleranz Mitmenschlichkeit und gesellschaftlicher Friede oder Ausgrenzung und Hass das Zusammenleben in unserem Land und unserer Stadt bestimmen.
Der Aufruf kann hier auch als PDF angezeigt werden.